10 Days After oder Nachtrag zum Trollen und Kommunikationskultur

Als ich auf den Kalender geschaut habe war mir klar, das dieser Artikel genau 10 Tage nach meiner ersten Zusammenfassung zum Thema Trollen im Internet kommen mußte. War zwar Zufall, passt aber.

Heute habe ich diesen offenen Brief über meinen Bekannten Carsten entdeckt. Im Grunde genommen geht es darum, das ein Künstler sich ungerecht behandelt fühlt und in einem offenen Brief darüber seinen Unmut zum Ausdruck bringen möchte um zugleich sein gegenüber davon zu überzeugen was zu ändern. Meine Vorhersage würde hier lauten “Hmm, ich glaub das wird nix!”. Im Grunde ein gut gemeinter Ansatz, aber für das Ziel was man eigentlich verfolgt eher nicht zielführend genug.

Warum? weil solche offene Konfrontationen im Internet nun mal zu keinem Ergebnis führen. Es hat auf Druck noch nie jemand nach gegeben und “Och, klar machen Wir das jetzt so wie SIE es wollen. Kein Problem.” gesagt. Weder im Kaufhaus noch in der Politik und im Internet schon garnicht.

Wie eine solche Krisen-PR besser laufen kann ist von David Kriesel vor einiger Zeit einmal schön dargestellt worden.

Zusammengefasst: IMMER das sachliche Gespräch mit dem gegenüber suchen und gemeinsam an einer Lösung arbeiten. Keinen “Shitstorm” oder Trolling im Internet öffentlich anzetteln wenn man ein Ziel verfolgt. Geld sollte bei Verhandlungen nicht die treibende Kraft sein.

Ten Trolls After oder wie ich Social Media ohne Medikamente überstehe

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Es ist in den letzten Jahren immer häufiger geworden, das man in Social Medias vor dem Hintergrund der freien Meinungsäußerung so ziemlich alles sagen möchte. Dieses kann aber auch ausarten und vermeintlich nützliche und interessante Infos, Neues aus jedem Bereich was gerne vorgestellt werden möchte, Hilfsgesuche, Nachrichten oder gut Gemeintes wird dann schnell mit Tweets, Kommentaren und anderen Meme Erscheinungen nieder gemacht, zertrampelt oder schlimmeres. Dies kann dann sogar soweit führen, das sich Foto- Kollegen wie Jörg oder Calvin zu Stellungnahmen genötigt fühlen wo eigentlich keine notwendig wären und nur unnötig Zeit verschwendet wird. Solche Postings gibt es sicher auch auf vielen anderen Blogs, Facebook, google plus und anderen Social Media Plattformen.
Im Allgemeinen nennt man was in den Kommentaren und re-Tweets passiert dann auch Trolling und oftmals merken die entsprechenden Personen garnicht, das Sie sich gerade zum Internet-Troll gemacht haben.
Nun gibt es viele Ansätze wie man damit umgehen kann die u.a. sogar auf Konferenzen wie z.B: der Trollcon besprochen wurden. Da ich nicht alles neu aufrollen möchte hier ein Video von Linus Neumann, welches das Thema eigentlich gut zusammenfasst, auf den Punkt bringt und zum Schluss auch die Lösungsansätze bietet.

Für diejenigen, die jetzt lieber eine Abkürzung oder eine Art Cheat-Sheet zur Troll Abwehr suchen habe ich hier einmal einiges aus Linus‘ Video zusammengetragen.

Regeln für das alte Spiel (des Trollens)

1.) Du hast verloren wenn Du mehr Worte brauchst. Vollkommen unabhängig vom Inhalt.
2.) Du hast verloren wenn Du erklären mußt. Du hast verloren wenn Du Dich rechtfertigen musst. (Beispiel: http://www.attn.com/stories/4371/woman-responds-to-donald-trump-muslim-id-proposal?utm_source=facebook&utm_medium=post&utm_campaign=internal)
3.) Du hast verloren wenn Du Dich aufregst. Ärgern ist sinnlos!
„Wer mir @hastenichtgesehen in die Timeline spült, wird gnadenlos entfreundet und entfolgt!“
4.) Du hast verloren wenn Du nicht lachst.
5.) Du hast verloren wenn Du Dich ernst (zu) nimmst.
6. ) Du hast verloren wenn Du andere ernst nimmst.
7.) Du hast verloren wenn Du Eigenschaften zuschreibst. Blogbeiträge nur Inhaltlich argumentieren. Nicht unlauter argumentieren, denn dann hast Du verloren. Der Rest denkt sich seinen Teil.
8.) Du hast verloren wenn Du drohst.

 

Folgen für eine wirksame Kontrolle und Abwehr

* Wer löscht nimmt ernst.
* Wer „Besorgte“ verteufelt bestätigt Ihre Theorie. Diese brauchen Hilfe, keine Bestätigung.
(Hierzu noch ein Video von Enno Lenze zu dem Thema „Ich bin doch kein …, ABER“ https://www.youtube.com/watch?v=aofKE-EeUBY )
Methode 1 – Hellbanning: Nur der Hater bzw. Troll kann den Kommentar lesen, alle anderen nicht.
Methode 2 – Trolldrossel: z.B. Captures einbauen, die „erkennen“ ob es sich um ein Troll-Kommentar handelt und diesen nicht durchlassen egal ob der Capture richtig ist oder nicht. Weiteres im Video https://www.youtube.com/watch?time_continue=1241&v=ZG4FawUtYPA
Diese Maßnahmen sind automatisierbar, man hat kein Zensurgeschrei und es besteht maximale Frustration beim Troll („hier macht es keinen Spaß, ich geh wieder“). Nachteil ist, das man ein bisschen Aufwand betreiben muß und das Ganze nicht als fertiges Modul besteht (jedenfalls hab ich kein wordpress Plugin gefunden. Falls es doch eines geben sollte würde ich mich über eine entsprechende Info sehr freuen!)
Darüber hinaus kann man die Methoden und Maßnahmen natürlich jederzeit auch manuell anwenden. Ich empfehle vor dem posten immer sich die 3 Siebe des Sokrates zu überlegen…

 

Zum weisen Sokrates kam einer gelaufen und war voll Aufregung: „Höre, Sokrates, das muss ich dir erzählen, wie dein Freund …“ „Halt ein!“, unterbrach ihn der Weise, „hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“ „Drei Siebe?“, fragte der andere voll Verwunderung. „Ja, guter Freund. Lass sehen, ob das, was du mir zu sagen hast, durch die drei Siebe hindurchgeht. Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“

„Nein, ich hörte es erzählen und …“

„Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft, es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst – wenn es schon nicht als wahr erwiesen -, so doch wenigstens gut?“

Zögernd sagte der andere: „Nein, das nicht, im Gegenteil …“

„Hm“, unterbrach ihn der Weise, „so lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden und lass uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich so erregt!“

„Notwendig nun gerade nicht …“

„Also“, lächelte der Weise, „wenn das, was du mir erzählen willst, weder wahr noch gut, noch notwendig ist, so laß es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!“ (Quelle: Wikiquotes)

Wenn man sich also bevor man auf „abschicken“ klickt überlegt ob es gut, notwendig und wahr ist hat man schon gewonnen.
Ich hoffe dem ein oder anderen helfen diese Zeilen etwas ruhiger und entspannter durchs Internet zu kommen. Enjoy.
Achja: Kommentare hier werden natürlich erst von mir abgesegnet bevor die Online gehen, also versucht es erst garnicht 😉